Kurz gesagt: Kokosöl ist eines der beliebtesten Öle für die Haare. Du kannst es als Pre-Poo vor der Wäsche, als Haarkur (30 Minuten bis über Nacht) oder in kleiner Menge für die Spitzen verwenden. Es macht das Haar geschmeidig und lässt es glänzen. Festes, natives Kokosöl ist reichhaltig und riecht nach Kokos, flüssiges (fraktioniertes) Kokosöl ist leichter, fast geruchlos und beschwert weniger. Der häufigste Fehler: zu viel Öl.
Kokosöl steht in fast jedem Bad und taucht in unzähligen Haartipps auf. Trotzdem sind viele unsicher: Welches Kokosöl ist das richtige, wie lange soll es einwirken, und warum fühlt sich das Haar danach manchmal strohig oder fettig an? In diesem Ratgeber erfährst du, was Kokosöl für deine Haare tun kann, wie du es Schritt für Schritt anwendest und worin sich festes und flüssiges Kokosöl unterscheiden.
Inhalt
- Was macht Kokosöl mit den Haaren?
- Festes oder flüssiges Kokosöl: der Unterschied
- Für welche Haartypen eignet sich Kokosöl?
- So wendest du Kokosöl für die Haare an
- Wie lange einwirken lassen und wie oft?
- Häufige Fehler und Nachteile
- Wachsen Haare mit Kokosöl schneller?
- Darauf solltest du achten
- Häufige Fragen
Was macht Kokosöl mit den Haaren?
Kokosöl wird aus dem Fruchtfleisch der Kokosnuss gewonnen. Natives Kokosöl besteht zu rund der Hälfte aus Laurinsäure, einer mittelkettigen Fettsäure. Unter etwa 24 °C ist es fest, darüber schmilzt es zu einem klaren Öl.
In der Haarpflege wird Kokosöl vor allem für diese Punkte geschätzt:
- Geschmeidigkeit: Das Öl legt sich um die Haare, sie fühlen sich weicher an und lassen sich leichter kämmen.
- Glanz: Gepflegte Längen reflektieren das Licht besser und wirken glänzender.
- Weniger Frizz: Eine kleine Menge in den Spitzen bändigt abstehende Härchen.
- Schutz beim Waschen: Als Pre-Poo vor der Haarwäsche saugt sich das Haar weniger stark mit Wasser voll und fühlt sich nach dem Waschen oft weniger strapaziert an.
Was sagt die Forschung? In einer viel zitierten Laborstudie von 2003 verlor Haar, das vor der Wäsche mit nativem Kokosöl behandelt wurde, beim Waschen weniger Protein als Haar, das mit Sonnenblumen- oder Mineralöl behandelt wurde (Rele & Mohile, Journal of Cosmetic Science). Die Forschenden erklären das mit der Laurinsäure, die aufgrund ihrer kleinen Struktur in das Haar eindringen kann. Wichtig: Das war ein Versuch an Haarsträhnen im Labor, kein Test an Menschen, und er bezieht sich auf natives Kokosöl.
Festes oder flüssiges Kokosöl: der Unterschied
Wenn von „flüssigem Kokosöl“ die Rede ist, ist fast immer fraktioniertes Kokosöl gemeint. Beim Fraktionieren werden die Fettsäuren abgetrennt, die das Öl bei Zimmertemperatur fest werden lassen. Dazu gehört auch ein großer Teil der Laurinsäure. Übrig bleiben vor allem die kürzeren Fettsäuren Caprylsäure und Caprinsäure. Das Ergebnis ist ein klares, dünnflüssiges Öl, das auch im Winter nicht fest wird.
| Natives (festes) Kokosöl | Fraktioniertes (flüssiges) Kokosöl | |
|---|---|---|
| Konsistenz | unter ca. 24 °C fest, darüber flüssig | immer flüssig, dünn |
| Geruch | deutlich nach Kokos | fast geruchlos |
| Laurinsäure | rund die Hälfte der Fettsäuren | größtenteils entfernt |
| Gefühl im Haar | reichhaltig, kann beschweren | leicht, zieht schnell ein |
| Auswaschen | braucht oft zwei Shampoo-Durchgänge | meist einfacher |
| Typischer Einsatz | intensive Kur, Pre-Poo | Spitzen, Leave-in, Kur, Basis für Ölmischungen |
Ehrlich gesagt: Die Studienergebnisse zur Laurinsäure lassen sich nicht einfach auf fraktioniertes Kokosöl übertragen, weil diese Fettsäure darin kaum noch enthalten ist. Fraktioniertes Kokosöl hat andere Stärken: Es ist leicht, lässt sich mit wenigen Tropfen fein verteilen, beschwert auch feines Haar kaum und muss vor der Anwendung nicht geschmolzen werden.
Welches Kokosöl für die Haare? Für eine reichhaltige Kur oder einen Pre-Poo bei dickem, trockenem Haar ist natives Kokosöl eine gute Wahl. Wenn du ein leichtes Öl für Spitzen, Leave-in und den Alltag suchst oder dein Haar schnell beschwert wirkt, ist flüssiges Kokosöl praktischer. Achte bei beiden auf ein reines Öl ohne Zusätze, Duftstoffe und Silikone (mehr dazu im Ratgeber Haaröl ohne Silikone).
Unser Tipp: Flüssiges Bio-Kokosöl von African Oils
- 100 % fraktioniertes Bio-Kokosöl, bleibt immer flüssig
- fast geruchlos, ohne Zusätze und ohne Silikone
- in 30 ml und 100 ml
Ideal für Spitzen, Leave-in und leichte Kuren. Für eine reichhaltigere Pflege kannst du es mit unserem Bio-Arganöl mischen.
Für welche Haartypen eignet sich Kokosöl?
- Trockenes, strapaziertes Haar: Längen und Spitzen werden geschmeidiger. Hier lohnt sich eine regelmäßige Kur oder ein Pre-Poo.
- Locken und krauses Haar: Lockiges Haar ist oft trockener, weil das Fett der Kopfhaut schlechter in die Längen gelangt. Kokosöl hilft, die Feuchtigkeit nach dem Waschen einzuschließen und Frizz zu bändigen.
- Feines Haar: Natives Kokosöl kann feines Haar schnell platt und strähnig machen. Besser: wenige Tropfen flüssiges Kokosöl nur in die Spitzen.
- Coloriertes Haar: Ein Pre-Poo vor der Wäsche ist eine schonende Ergänzung zur Pflege. Kokosöl verändert die Haarfarbe nicht.
- Fettige Kopfhaut: Öl nur in die Längen geben und den Ansatz aussparen.
Manche empfinden ihr Haar nach nativem Kokosöl als hart oder strohig. Das hängt oft mit der Menge, mit sehr dichtem, wenig aufnahmefähigem Haar oder mit Rückständen zusammen. Wenn es dir so geht, nimm weniger, wasch gründlicher aus oder probier ein leichteres Öl. Einen Überblick über weitere Öle findest du im Guide zu Ölen in der Haarpflege.
So wendest du Kokosöl für die Haare an
Festes Kokosöl schmilzt du vorher zwischen den Handflächen oder stellst das Glas kurz in warmes Wasser. Flüssiges Kokosöl kannst du direkt verwenden.
Pre-Poo: Kokosöl vor der Haarwäsche
„Pre-Poo“ kommt von „pre-shampoo“ und heißt: Pflege vor dem Shampoo. So geht’s:
- Haare trocken oder leicht angefeuchtet in Abschnitte teilen.
- Etwa 1 Teelöffel Öl (bei langem oder dickem Haar etwas mehr) in Längen und Spitzen verteilen.
- 15 bis 30 Minuten einwirken lassen.
- Wie gewohnt mit Shampoo waschen, bei Bedarf zweimal.
Kokosöl als Haarkur
- Ein bis zwei Teelöffel Öl in die trockenen Längen und Spitzen einarbeiten, den Ansatz aussparen.
- Haare locker hochstecken und mit einem Handtuch oder einer Duschhaube abdecken. Wärme macht das Öl geschmeidiger.
- Mindestens 30 Minuten einwirken lassen, gern auch über Nacht.
- Gründlich mit Shampoo auswaschen, danach eine leichte Spülung.
Tipp für die Nacht: Damit das Kopfkissen sauber bleibt und die Haare nicht reiben, kannst du eine Seidenhaube zum Schlafen tragen.
Kokosöl für die Spitzen und als Leave-in
- 2 bis 3 Tropfen flüssiges Kokosöl in den Handflächen verreiben.
- In die handtuchtrockenen oder trockenen Spitzen kneten.
- Nicht auswaschen. Bei Bedarf einen weiteren Tropfen nachlegen, lieber zu wenig als zu viel.
Kokosöl für die Kopfhaut
Einige Tropfen auf die Kopfhaut geben, mit den Fingerspitzen sanft einmassieren, 20 bis 30 Minuten einwirken lassen und gründlich auswaschen. Flüssiges Kokosöl lässt sich auf der Kopfhaut leichter verteilen. Mehr zur Kopfhautpflege liest du im Ratgeber Trockene Kopfhaut.
Wie lange einwirken lassen und wie oft?
| Anwendung | Menge (schulterlanges Haar) | Einwirkzeit | Wie oft |
|---|---|---|---|
| Pre-Poo | ca. 1 TL | 15–30 Minuten | vor jeder Wäsche möglich |
| Haarkur | 1–2 TL | 30 Minuten bis über Nacht | 1–2 × pro Woche |
| Spitzen / Leave-in | 2–3 Tropfen | bleibt im Haar | nach Bedarf, auch täglich |
| Kopfhaut | einige Tropfen | 20–30 Minuten | 1 × pro Woche |
Länger einwirken heißt nicht automatisch mehr Pflege. Ob 30 Minuten oder eine Nacht: Probier aus, was sich für dein Haar gut anfühlt.
Häufige Fehler und Nachteile
- Zu viel Öl: Der Klassiker. Das Haar wird fettig, strähnig und lässt sich schwer auswaschen. Starte mit wenig und steigere dich langsam.
- Öl auf den Ansatz: Bei normaler oder fettiger Kopfhaut wirkt das Haar schnell ungewaschen. Gib das Öl in die Längen, außer du machst bewusst eine Kopfhautmassage.
- Nur mit Wasser ausspülen: Öl löst sich nicht in Wasser. Trage das Shampoo zuerst auf das noch trockene, geölte Haar auf, massiere es ein und spüle dann aus.
- Festes Kokosöl in Klümpchen: Ungeschmolzenes Öl lässt sich schlecht verteilen und bleibt in Nestern hängen. Vorher in den Händen schmelzen.
- Öl statt Feuchtigkeit: Öl spendet selbst keine Feuchtigkeit, es hält sie im Haar. Bei sehr trockenem Haar deshalb erst Wasser oder eine Spülung, dann Öl.
- Zu hohe Erwartungen: Kokosöl pflegt, aber es repariert keinen Spliss. Gespaltene Spitzen helfen nur Schere und Geduld.
Wachsen Haare mit Kokosöl schneller?
Nein, dafür gibt es keine Belege. Wie schnell und wie dicht deine Haare wachsen, hängt vor allem von Genen, Hormonen, Alter und Gesundheit ab. Was Kokosöl kann: die Längen pflegen, sodass weniger Haare beim Kämmen abbrechen. Dadurch wirken gepflegte Längen oft voller. Das ist Pflege, kein Wachstum. Wenn dir auffällig viele Haare ausgehen, lass das bitte ärztlich abklären.
Darauf solltest du achten
- Nur äußerlich anwenden und nicht in die Augen bringen.
- Hauttest: Wenn du empfindliche Haut hast, trag vor der ersten Anwendung etwas Öl in der Armbeuge auf und warte 24 Stunden.
- Bei Rötung oder Juckreiz auf der Kopfhaut das Öl absetzen.
- Lagerung: Kühl, dunkel und gut verschlossen. Riecht das Öl ranzig, entsorge es.
- Rutschgefahr: Öl in der Dusche macht den Boden glatt. Kurz nachspülen.
Häufige Fragen
Kann ich Kokosöl über Nacht in den Haaren lassen?
Ja. Eine Kur über Nacht ist beliebt, vor allem bei trockenem oder lockigem Haar. Deck das Haar mit einem Tuch oder einer Seidenhaube ab, damit das Kissen sauber bleibt, und wasch das Öl am Morgen gründlich aus.
Wie bekomme ich Kokosöl wieder aus den Haaren?
Shampoo auf das trockene, geölte Haar geben und einmassieren, erst dann Wasser dazu. Danach ausspülen und bei Bedarf ein zweites Mal shampoonieren. Lauwarmes Wasser löst Öl besser als kaltes.
Was ist besser für die Haare, Kokosöl oder Olivenöl?
Beide pflegen, sie fühlen sich aber unterschiedlich an. Olivenöl ist schwerer und riecht deutlich. Natives Kokosöl ist reichhaltig, fraktioniertes Kokosöl sehr leicht. Für feines Haar ist ein leichtes Öl meist die bessere Wahl, für dickes, trockenes Haar darf es reichhaltiger sein.
Macht Kokosöl die Haare heller?
Nein. Kokosöl hellt die Haare nicht auf und entfernt auch keine Haarfarbe. Frisch geölt wirkt das Haar höchstens etwas dunkler, weil es glänzt.
Kann ich flüssiges Kokosöl mit anderen Ölen mischen?
Ja, gut sogar. Als leichte Basis verdünnt es dickflüssige Öle wie Rizinusöl, sodass sie sich leichter verteilen lassen. Auch eine Mischung mit Arganöl ist beliebt. Mischverhältnis zum Start: zu gleichen Teilen.
Wird flüssiges Kokosöl im Winter fest?
Nein. Fraktioniertes Kokosöl bleibt auch bei kühlen Temperaturen flüssig. Natives Kokosöl wird dagegen unter etwa 24 °C fest, das ist normal und kein Qualitätsmangel. Wie du Kokosöl für die Haut verwendest, liest du in Kokosöl für die Haut, Rezepte für eigene Kuren in Haarkur selber machen.












[…] zu einzelnen Ölen und Butter liest du in Kokosöl für Haare, Mandelöl für Haare und Sheabutter für Haut und […]
[…] Die Avocado mit einer Gabel sehr fein zerdrücken oder pürieren, sonst bleiben Stückchen im Haar hängen. Das Kokosöl unterrühren, bis eine glatte Creme entsteht. Fraktioniertes Kokosöl bleibt flüssig und lässt sich leichter mischen und auswaschen als festes Kokosöl. Warum das so ist, erklären wir in Kokosöl für Haare. […]