Haaröle

Haare ölen (Hair Oiling): Anleitung, die richtigen Öle & Kopfhautmassage

Gloria 9 Min. Lesezeit

Kurz gesagt: Beim Haare ölen (Hair Oiling) verteilst du ein Pflanzenöl wie Mandel-, Argan- oder Kokosöl vor der Haarwäsche in den Längen und Spitzen, lässt es 30 Minuten bis über Nacht einwirken und wäschst es dann mit Shampoo aus. Für die meisten reicht das einmal pro Woche. Die Kopfhaut ölst du nur, wenn sie trocken ist, und nie bei Schuppen oder Entzündungen. Haare ölen pflegt die Haare, lässt sie aber nicht schneller wachsen.

Hair Oiling ist auf Social Media gerade überall, dabei ist es ein uraltes Pflegeritual, das in Indien und vielen afrikanischen Ländern seit Generationen zur Haarpflege gehört. Die gute Nachricht: Du brauchst dafür nur ein gutes Öl, einen Kamm und etwas Zeit. Hier erfährst du, welches Öl zu deinem Haar passt, wie du Schritt für Schritt vorgehst, ob die Kopfhaut mit dazugehört und welche Fehler deine Haare fettig statt gepflegt machen.

Inhalt

Was bedeutet Haare ölen?

Haare ölen heißt, ein Pflanzenöl als Vorbehandlung vor der Haarwäsche in die Haare zu geben und es eine Weile einwirken zu lassen. Der englische Begriff dafür ist Hair Oiling. Anders als bei ein paar Tropfen Haaröl nach dem Föhnen nimmst du mehr Öl und wäschst es danach wieder aus.

Ursprünglich stammt das Ritual aus der ayurvedischen Tradition in Indien, wo das Öl oft mit einer Kopfmassage einmassiert wird. Auch in vielen afrikanischen Familien gehört das Ölen von Haar und Kopfhaut fest zur Pflege, besonders bei lockigem und krausem Haar. Eine reine Ölkur mit Zutaten aus der Küche ist dagegen eher eine Haarkur. Rezepte dafür findest du in Haarkur selber machen mit Öl.

Was bringt Hair Oiling und was nicht?

Haare ölen pflegt vor allem die Längen und Spitzen: Sie fühlen sich weicher an, lassen sich leichter kämmen und glänzen mehr. Wer zu trockenem, lockigem oder krausem Haar neigt, merkt den Unterschied meist am deutlichsten.

  • Geschmeidigkeit und Glanz: Das Öl legt sich um das Haar, die Oberfläche wirkt glatter und reflektiert mehr Licht.
  • Leichteres Kämmen: Geölte Haare verknoten weniger und lassen sich nach der Wäsche leichter entwirren.
  • Schutz beim Waschen: In einem Laborversuch von Rele und Mohile (2003) verloren Haare, die vor der Wäsche mit Kokosöl behandelt wurden, beim Waschen weniger Eiweiß als unbehandelte Haare. Sonnenblumen- und Mineralöl zeigten diesen Effekt nicht. Getestet wurde natives Kokosöl im Labor, nicht am Kopf. Fraktioniertes Kokosöl ist anders zusammengesetzt, das Ergebnis lässt sich darauf nicht einfach übertragen.
  • Gepflegtere Spitzen: Öl lässt trockene Spitzen gepflegter aussehen. Kaputte Spitzen kann es aber nicht reparieren, da hilft nur die Schere.

Was Haare ölen nicht kann: Dass Öle die Haare schneller oder dichter wachsen lassen, ist wissenschaftlich nicht belegt. Wie schnell deine Haare wachsen, hängt vor allem von Genen, Hormonen und deiner Gesundheit ab. Wenn dir auffällig viele Haare ausfallen, lass das ärztlich abklären. Was es zu Rosmarinöl und Haarwachstum an Studien gibt, haben wir in Rosmarinöl für Haare ehrlich zusammengefasst.

Welches Öl passt zu deinen Haaren?

Zum Haare ölen eignet sich jedes reine Pflanzenöl, entscheidend ist, wie schwer es ist und wie gut es sich auswaschen lässt. Für feines Haar nimmst du ein leichtes Öl, für dickes, lockiges oder krauses Haar darf es reichhaltiger sein. Ausführlich vergleichen wir die Öle in unserem Haaröl-Guide.

ÖlKonsistenzPasst gut zu
Mandelölleicht, mild, fast geruchlosfast jedem Haar, ideal für den Einstieg
Kokosöl, fraktioniertflüssig, sehr leichtfeinem Haar, das schnell platt wirkt
Arganölmitteltrockenem, lockigem und krausem Haar, für Glanz
Hanfölleichtnormalem bis feinem Haar
Rizinusölsehr dickflüssigdickem Haar, immer mit einem leichteren Öl mischen

Tipp für den Anfang: Starte mit einem einzigen, leichten Öl wie Mandelöl. So merkst du schnell, wie viel dein Haar verträgt. Rizinusöl ist pur zu zäh, mische es im Verhältnis 1 : 2 mit Mandel- oder Arganöl. Warum festes und flüssiges Kokosöl sich so unterschiedlich verhalten, liest du in Kokosöl für Haare.

Anleitung: Haare ölen in 6 Schritten

Geölt wird vor der Haarwäsche, am besten auf trockenes oder leicht feuchtes Haar. So gehst du vor:

  1. Durchkämmen: Kämme die trockenen Haare vorsichtig durch, bei Locken mit den Fingern oder einem grobzinkigen Kamm. So verteilt sich das Öl gleichmäßig und nichts verknotet.
  2. Öl abmessen: Für schulterlanges Haar reicht etwa 1 Teelöffel bis 1 Esslöffel. Feines Haar braucht weniger, sehr dichtes oder langes Haar mehr. Lieber mit wenig anfangen und nachlegen.
  3. Leicht anwärmen: Verreibe das Öl zwischen den Handflächen. Wer mag, stellt das Fläschchen vorher ein paar Minuten in warmes Wasser. Nicht in der Mikrowelle erhitzen.
  4. Längen und Spitzen einölen: Teile das Haar in Partien und arbeite das Öl von der Mitte bis in die Spitzen ein. Die Spitzen sind meist am trockensten und bekommen am meisten.
  5. Einwirken lassen: Haare locker zusammenbinden oder flechten und mindestens 30 Minuten einwirken lassen, gern auch 1 bis 2 Stunden oder über Nacht. Eine Duschhaube oder ein Handtuch hält die Wärme und schützt deine Kleidung.
  6. Gründlich auswaschen: Gib das Shampoo direkt auf das geölte, noch trockene Haar und massiere es ein, erst dann mit lauwarmem Wasser aufschäumen und ausspülen. Bei viel Öl ein zweites Mal shampoonieren. Danach brauchst du meist nur wenig Spülung.

Über Nacht ölen: Das klappt mit reinem Öl gut. Flechte die Haare locker und schütze dein Kissen mit einem alten Handtuch oder einer Seidenhaube zum Schlafen, denn Öl hinterlässt Flecken.

Längen oder Kopfhaut ölen?

Die Längen kannst du fast immer ölen, die Kopfhaut nur, wenn sie trocken ist und spannt. Bei fettiger Kopfhaut, Schuppen, Juckreiz oder Rötungen lässt du sie besser aus.

Der Grund: Auf der Kopfhaut lebt ein Hefepilz (Malassezia), der sich von Fetten ernährt. Bei Menschen, die zu Schuppen oder seborrhoischer Dermatitis neigen, kann zusätzliches Öl die Beschwerden verstärken. Die Hautärztin Dr. Shilpi Khetarpal von der Cleveland Clinic rät deshalb, Öl bei Schuppenneigung gar nicht auf die Kopfhaut zu geben (Cleveland Clinic: Oiling Hair).

Deine KopfhautKopfhaut ölen?
trocken, spannt, keine Schuppenja, sparsam, 1–2 Mal pro Woche
normalkann, muss nicht; Längen reichen
fettet schnellnein, nur Längen und Spitzen
Schuppen, Juckreiz, Rötungennein, ärztlich abklären lassen

Mehr zu den Ursachen und zur Pflege liest du in unseren Ratgebern Trockene Kopfhaut und Juckende Kopfhaut.

Kopfhautmassage mit Öl: so geht’s

Eine Kopfhautmassage verteilt das Öl auf trockener Kopfhaut und ist vor allem eins: eine entspannende Auszeit. Dafür reichen 3 bis 5 Minuten und ein paar Tropfen Öl.

  1. Scheitel ziehen: Teile das Haar in Partien, damit du gut an die Kopfhaut kommst. Bei Braids oder Twists arbeitest du zwischen den Zöpfen.
  2. Wenig Öl auftragen: Gib ein paar Tropfen direkt auf die Kopfhaut, am besten mit der Pipette entlang des Scheitels.
  3. Mit den Fingerkuppen massieren: Kleine, kreisende Bewegungen mit leichtem Druck, von der Stirn über den Oberkopf bis in den Nacken. Nicht mit den Fingernägeln kratzen und nicht rubbeln, das reizt die Haut.
  4. Einwirken lassen oder auswaschen: Eine sehr kleine Menge kann auf der Kopfhaut bleiben. Wenn du mehr genommen hast, wäschst du sie wie oben beschrieben aus.

Ätherische Öle nie pur: Rosmarin-, Lavendel- oder Teebaumöl sind als reine ätherische Öle sehr konzentriert und können die Haut reizen. Nutze sie nur stark verdünnt in einem Trägeröl oder greif zu einer fertigen Mischung. Teste jede neue Mischung vorher 24 Stunden in der Armbeuge.

Unser Tipp: Bio-Mandelöl für den Einstieg ins Haare ölen

  • 100 % Bio-Mandelöl aus süßen Mandeln, kaltgepresst und unraffiniert
  • leicht, mild und fast geruchlos, lässt sich gut auswaschen
  • ohne Silikone und ohne Zusätze, in 30 ml und 100 ml

Für trockenes, lockiges Haar passt auch unser Bio-Arganöl. Für die Kopfhautmassage haben wir das Bio-Kopfhautöl mit Lavendel & Geranie und unser Bio-Rosmarinöl, beide fertig gemischt.

Wie oft und wie lange solltest du deine Haare ölen?

Für die meisten reicht es, die Haare einmal pro Woche zu ölen und das Öl 30 Minuten bis 2 Stunden einwirken zu lassen. Sehr trockenes, lockiges oder krauses Haar verträgt auch zwei Mal pro Woche, feines Haar eher alle ein bis zwei Wochen.

HaartypWie oftEinwirkzeitMenge (schulterlang)
fein, glattalle 1–2 Wochen30–60 Minutenca. 1 TL, nur Spitzen
normal, wellig1× pro Woche1–2 Stunden1–2 TL
trocken, lockig, kraus1–2× pro Woche2 Stunden bis über Nacht1 EL oder mehr
blondiert, gefärbt, strapaziert1× pro Woche1–2 Stunden1–2 TL

Länger als über Nacht bringt nichts. Wenn deine Haare nach dem Waschen schwer oder strähnig wirken, nimm beim nächsten Mal weniger Öl oder ein leichteres.

Die häufigsten Fehler beim Haare ölen

Die meisten Probleme kommen von zu viel Öl oder falschem Auswaschen. Diese Fehler solltest du vermeiden:

  • Zu viel Öl: Mehr ist nicht besser. Die Haare werden fettig und du musst mehrmals waschen, was sie wieder austrocknet.
  • Wasser vor dem Shampoo: Wasser und Öl mischen sich nicht. Erst Shampoo ins geölte Haar, dann Wasser.
  • Zu heißes Öl: Warm ist angenehm, heiß kann die Kopfhaut verbrennen. Teste die Temperatur immer am Handgelenk.
  • Kräftig rubbeln: Geölte, nasse Haare sind empfindlich. Massiere sanft und trockne sie danach mit einem Handtuch ab, statt zu reiben.
  • Kopfhaut trotz Schuppen ölen: Das kann die Beschwerden verstärken. Hier lieber nur die Längen pflegen und die Ursache abklären lassen.
  • Altes Öl verwenden: Riecht ein Öl ranzig oder hat sich die Farbe verändert, nicht mehr verwenden. Unsere Öle sind nach dem Öffnen 12 Monate haltbar, kühl und dunkel gelagert.

Allergien: Mandelöl stammt aus Mandeln. Wenn du auf Nüsse allergisch reagierst, nimm lieber Argan- oder Kokosöl und teste auch diese vorher an einer kleinen Hautstelle.

Häufige Fragen

Haare ölen vor oder nach dem Waschen?

Beim Hair Oiling ölst du vor dem Waschen und wäschst das Öl danach aus. Nach dem Waschen kannst du zusätzlich 1 bis 2 Tropfen in die trockenen Spitzen geben, das bleibt dann im Haar.

Haare ölen auf trockenes oder nasses Haar?

Am besten auf trockenes oder leicht feuchtes Haar. Auf tropfnassem Haar perlt das Öl eher ab und verteilt sich schlechter.

Kann man die Haare zu oft ölen?

Ja. Wer sehr oft ölt, muss auch oft und gründlich waschen, und das trocknet Haar und Kopfhaut eher aus. Ein- bis zweimal pro Woche reicht für die meisten.

Warum sind meine Haare nach dem Ölen fettig?

Meist war es zu viel Öl, ein zu schweres Öl oder das Shampoo kam erst nach dem Wasser. Nimm weniger, gib das Shampoo direkt ins trockene, geölte Haar und wasch bei Bedarf zweimal.

Welches Öl ist am besten zum Haare ölen?

Das eine beste Öl gibt es nicht. Für den Einstieg und feines bis normales Haar passt Mandelöl, für trockenes, lockiges Haar Arganöl, für sehr feines Haar flüssiges Kokosöl. Mehr dazu in Mandelöl für Haare.

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